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zu Natur + Wissenschaft

Praktische Neurologie:
Warum wir Farben rechts anders wahrnehmen als links

02.01.2006

Die Diskussion über den gegenseitigen Einfluss von Sprache und Wahrnehmung gibt es bereits seit langer Zeit und im Diskurs stehen sich zwei Theorien gegenüber: Die eine besagt, dass Sprache lediglich das ausdrückt, was das Gehirn wahrnimmt. Die andere geht davon aus, dass Sprache aktiv die Wahrnehmung beeinflusst. Am besten untersucht ist in diesem Zusammenhang die Farbwahrnehmung. Obwohl Farben rein physikalisch betrachtet kontinuierlich ineinander übergehen, ordnen die meisten Menschen im europäischen Sprachraum Farben in Kategorien ein, die sie auch mit unterschiedlichen Namen benennen. Das tun Angehörige anderer Sprachräume zwar auch, aber die Kategorien unterscheiden sich zum Teil deutlich von den hier gebräuchlichen. So kennen viele Sprachen beispielsweise keinen Unterschied zwischen Blau und Grün. Daran hängt sich auch die zentrale Frage der Linguisten und Psychologen auf: Nehmen Menschen, die diese Sprachen sprechen, Blau und Grün tatsächlich anders wahr als Europäer und Nordamerikaner oder nicht? Frühere Studien lieferten dabei widersprüchliche Ergebnisse. Einige konnten einen Einfluss der Sprache auf die Farbwahrnehmung nachweisen, andere nicht.

Das könnte daran liegen, dass beides richtig ist. Studienleiter Paul Kay konnte in mehreren Test mit 27 Probanden nachweisen, dass nur das, was von der linken Hirnhälfte wahrgenommen wird auch durch die Sprache beeinflusst wird, der Rest aber nicht. Die Teilnehmer konnten beispielsweise sehr ähnliche Farben, die aber verschiedenen Kategorien angehörten, im rechten Teil des Gesichtsfeldes schneller unterscheiden als im linken. Wohl deswegen, weil die sprachliche Differenz den Unterschied bei der Wahrnehmung verstärkte. Bei Farben der gleichen Kategorie überdeckte dagegen die Zuordnung zum gleichen Namen den Unterschied, und die Probanden erkannten sie mit dem rechten Auge langsamer als mit dem linken. Besonders aufschlussreich war nach Ansicht der Wissenschaftler aber der ein spezieller Versuch: Wird das Sprachzentrum während der Farbtests mit einer zusätzlichen Aufgabe beschäftigt, bleibt keine Kapazität übrig, um die Farbwahrnehmung zu beeinflussen und der Effekt verschwindet. Eine Aufgabe, die das räumliche Gedächtnis fordert, hatte hingegen keinen Einfluss. Der ausgeprägte Unterschied zwischen den beiden Hirnhälften könnte demnach die Erklärung für die bisherigen widersprüchlichen Ergebnisse sein, glauben die Wissenschaftler.

Unsere Sprache und das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte beeinflussen also, was wir im rechten Teil unseres Gesichtsfeldes sehen, denn dieser Teil der visuellen Wahrnehmung findet in der linken Gehirnhälfte und damit genau dort statt, wo auch die Sprache verarbeitet wird. Aus diesem Grund können am rechten Rand des Gesichtsfeldes beispielsweise grünliche Blautöne und bläuliche Grüntöne sehr viel schneller unterschieden werden als am linken Rand. Die verschiedenen Namen der Farben wirken dabei wie ein Filter, der die Wahrnehmung beeinflusst.

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