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Textauszug zum Probelesen
Fototipps zu San Francisco

  • San Francisco selbst hat nur rund 750 000 Einwohner, mit den umgebenden neun Gemeinden der Bay Area steigt die Zahl auf 6 Mio.
  • Höhenlagen zwischen dem Niveau des Meeresspiegels und 285 m am Mount Davidson
  • Rund 17 Mio. Menschen besuchen pro Jahr das Golden Gate

Minimalprogramm

Trotz einer dreiviertel Million Einwohnern ist San Francisco überschaubar geblieben und vermittelt dem Besucher schnell das Gefühl dazu zu gehören. Die allerwichtigsten Sehenswürdigkeiten kann man dank des guten öffentlichen Nahverkehrs in zwei Tagen abdecken und dabei sogar die beiden besten Abendstandorte, das Nord­ende der Golden Gate Bridge und den Telegraph Hill, mitnehmen.

Wie, Wo, Was

Wir haben alle die Kultserie „die Straßen von San Francisco“ geschaut, aber haben wir es für möglich gehalten, daß die Avenues und Boulevards wirklich so steil sein könnten? Nun, nach einem Fußmarsch durch die Stadt kann am Wahrheitsgehalt der Fernsehbilder kein Zweifel mehr bestehen!
Und da sind wir gleich bei einem der prägendsten Themen dieser Metropole: „Stadtlandschaft“ sagen wir und meinen damit fast immer das urbane Muster aus bebauten und unbebauten Flächen, die sich aus den Reihen der schattenwerfenden Hochhausnadeln ergebende charakteristische Himmelslinie, den Verlauf der Boulevards und Straßen. Von der Topographie, die eine Landschaft eigentlich bestimmt ist selten die Rede, denn nur allzu oft mußte sie sich den städtischen Erfordernissen unterordnen. Ganz anders hier: 43 Hügel liegen San Francisco zugrunde und lassen das Gelände auf engem Raum vom Meeresspiegel bis auf 285 m ansteigen. - Ein Erbe das zu verleugnen unmöglich wäre und uns beeindruckende Ansichten, Einsichten und Ausblicke ermöglicht. Aber damit ist es nicht getan. Diese Stadt ist komplizierter und nicht so einfach zu reduzieren.

Das außerordentlich abwechslungsreiche Stadtbild, in dem mehr als 150 Jahre alte viktorianische Fassaden neben der Postmoderne stehen, verdeutlicht die Bindung der Baybewohner an ihre Geschichte. Per Bürgerbegehren wurden eine Maximalhöhe für die Wolkenkratzer durchgesetzt und Baumaßnahmen gestoppt, die die Stadt in ihrem Kern verändert hätten. - Große Leistungen in einem immer höher hinaus strebenden Kalifornien, aber nicht zu Unrecht bezeichnen viele San Francisco als „das letzte großstädtische Dorf Amerikas“. Solch durchschlagende Wirkung muß aus dem Herzen kommen, und erst wenn man das Sprachenwirrwarr zwischen Chinatown, Japantown, dem spanisch geprägten Distrikt The Mission oder dem noblen anglo Viertel Pacific Heights hört, erkennt man, daß die Offenheit, die Fähigkeit alle fremden Einflüsse aufzusaugen, der wahre Motor dieser Stadt ist und ihr zu immer währender Jugend verhilft.
Jugend, die vielleicht auch etwas mit dem anscheinend immer währenden Frühling an der Bay zu tun hat. - Eine kalte Strömung im Pazifik läßt die Temperaturen im Sommer selten über 25° C steigen, hält sie dafür aber auch in den Wintermonaten konstant um die 10° C. Sie erklärt auch den schon berühmten Morgennebel während der Sommermonate: San Francisco liegt an einer Unterbrechung, quasi einem Durchlas, in der Kette des Küstengebirges und hier entweichen die über dem Great Central Valley aufgeheizten Luftmassen gen Westen, um sich mit der Kaltluft vor der Küste zu mischen. - So entsteht Nebel quasi unter Laborbedingungen. Aber keine Angst, die Sonne löst die photogen um die Pylone der Golden Gate Bridge wabernden Schwaden bis zum späten Vormittag auf. Am Nachmittag weht oft ein kräftiges Lüftchen von See her und läßt auch im Sommer eine warme Jacke angeraten erscheinen. Die besten, weil mit den stabilsten Wetterlagen gesegneten, Monate sind April und Mai sowie September und Oktober.
Im Jahreslauf heben sich neben vielen anderen vor allem die folgenden Festlichkeiten hervor: Das chinesische Neujahrsfest Anfang Februar bietet einen traditionell-bunten Festumzug durch Chinatown und den Financial District. Das japanische Kirschblütenfest Mitte bis Ende April lockt mit Tanz und Kultur im Japan Center. Die Lesben- und Schwulenparade zählt zu den größten Festivitäten der Stadt. Sie verwandelt die Market Street Ende Juni in einen Hexenkessel. Der Columbus Day (2. Montag im Oktober) wird mit einem großen Festumzug auf der Columbus Avenue begangen.

Orientierung & Tageszeiten

Eine Stadt ist im Prinzip wie eine spektakuläre Landschaft zu behandeln: dramatisches Licht am Morgen und Abend spielt auch hier eine wichtige Rolle. Es gilt die Kernpunkte der urbanen Landschaft heraus zu arbeiten, wo finden sich Linien und markante Punkte?
An erster Stelle sind hier natürlich die hoch gelegenen, Überblick gebenden, Hügelspitzen zu nennen sowie die Stellen, an denen die Topographie getrennt ist, wo also Brücken das Wasser überqueren und es erlauben einen Schritt zurück zu treten. Hier gilt : je großflächiger das Motiv um so flacher muß das Licht sein, um Wirkung zu erzielen. Übersichten und Skylineshots funktionieren also bei oder kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang am Besten. Dann sorgen die erleuchteten Fenster der Häuser für zusätzlichen Reiz.
Aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus, denn je tiefer Sie sich in die Stadt begeben, je mehr Sie sich auf Details konzentrieren, um so unwichtiger wird das gerichtete Licht und um so effektiver arbeiten Sie mit der diffusen Beleuchtung eines bedeckten Tages. Das rollende Auf und Ab der Hügel hier in San Francisco versetzt uns in die komfortable Lage auch den höheren Sonnenstand am Vormittag und Nachmittag in gute Bilder zu verwandeln. Durch die geradlinigen Schneisen der großen Boulevards werden diese Anstiege in der darüber gestülpten Bebauung wieder richtig sichtbar. Die Sonne in Ihrem Rücken würzt dieses Auf und Ab mit belebenden Schattenpartien. Für den richtigen Hintergrund sorgen entweder die Hochhauskulisse am Embarcadero oder das blaue Wasser des Golden Gate. Aber das Leben einer Stadt beschränkt sich natürlich nicht nur auf die hellen Tagesstunden, auch die künstliche Beleuchtung setzt eigene Akzente. Chinatown oder der Union Square beispielsweise sind zwar zur Mittagszeit von hektischem Leben erfüllt, treten nach Einbruch der Dunkelheit aber in einer ganz anderen Maske auf. Nach einem reichhaltigen Mittagessen halten Sie aber bestimmt lange genug durch, um auch diese Photofreuden auszukosten!

Motive

  • Cable Cars im Vordergrund der Transamerica Pyramide oder der Pagodendächer von Chinatown
  • Blick entlang der Straßenschluchten hügelauf- oder -abwärts
  • Blick die Lombard Street hinauf mit den im Sommer blühenden Hortensien am Straßenrand
  • Blick von einem hoch gelegenen Punkt über die Stadt mit Alcatraz und dem Golden Gate im Hintergrund
  • Stadtansicht mit der Golden Gate Bridge im Vordergrund
  • Ansichten oder Details der wunderbaren viktorianischen Holzhäuser sowie Bilder, die die architektonische Vielfalt der Stadt dokumentieren

sehenswerte Punkte erste Runde:
Union Square, Chinatown, Cable Car Barn, Lombard Street, Fisherman´s Wharf, Telegraph Hill

Die zentral gelegene Kreuzung von Powell und Market Street ist ein guter Ausgangspunkt, um die ersten Eindrücke von San Francisco zu gewinnen. Hier können Sie sich im Besucherzentrum im Untergeschoß der Hallidie Plaza mit den aktuellsten Informationen eindecken, bevor Sie am Ende der Powell Street einen Cable Car besteigen. Sie werden vermutlich einen Moment in der Schlange anstehen müssen, was Ihnen Gelegenheit gibt das Umdrehen der Fahrzeuge auf dem hölzernen Drehteller im Bild festzuhalten. Am Abend drängt es sich auf dies mit einer kreativ-langen Belichtungszeit zu tun und so die Drehbewegung durchscheinen zu lassen. Anders herum können Sie die Kamera an anderer Position mit der Bewegung des Cable Car oder eines anderen Fahrzeugs mitziehen. Dazu wählen Sie die Belichtungszeit ruhig im Bereich 1/15 oder 1/8 sec, stellen auf das Hauptmotiv scharf und ziehen die Kamera (schon vor dem Auslösen) während der Belichtung mit der Bewegung mit. So erreichen Sie eine Abbildung, in der das scharfe Hauptmotiv vor einem dynamisch-verzerrten Hintergrund steht. Eine auch am Abend gut ausgeleuchtet große Straßenkreuzung erscheint mir im Fall des Cable Car dafür gut geeignet.
Die erste Haltestelle auf dem Weg die Powell Street hinauf ist der kleine grüne Union Square. Rund um den Platz erheben sich die Titanen des Konsums: Macys Department Store, Chanel, Levis, Tiffany, Armani und das Virgin Records Superstore um nur die wichtigsten zu nennen. Wenn Sie etwas Ausgefallenes suchen, hier finden Sie es ganz bestimmt! Eine Übersicht können Sie zum Beispiel aus dem zweiten oder dritten Stock des Borders Books Gebäudes Ecke Powell und Post Street aufnehmen. Direkt von der Cable Car Haltestelle schauen Sie die den Nob Hill hinaufwogende Powell Street entlang. Ein guter Blick am Vormittag, wenn die Sonne für abwechselnde Licht- und Schatteninseln sorgt. Am Besten verdichten Sie die Perspektive mit einem leichten Tele und warten bis sich weiter oben zwei Cable Cars treffen und passieren. Achten Sie bei den hier ebenfalls reizvollen Gegenlichtsituationen des späten Nachmittags darauf die Belichtung um rund zwei Stufen zu erhöhen, um die Zeichnung in den schattigen Bildbereichen zu erhalten. Oben auf dem Hügel angekommen blicken Sie die California Street hinunter in die Hochhausschlucht des Financial Districts. - Mit der markanten Spitze der Transamerica Pyramide im Hintergrund wird daraus ein wirklich typisches Bild der Stadt!

Chinatown ist der nächste lohnende Stop. Wechseln Sie an der Ecke Powell und California Street in einen Wagen der California Street Line und fahren Sie zwei Blöcke nach Osten bis zur Kreuzung mit der Grant Street. Hier sind Sie mitten im Zentrum der mit einer Ausdehnung von 24 Häuserblöcken größten chinesischen Gemeinde außerhalb Asiens. Das markante grün gedeckte Chinatown Gate, das inoffizielle Eingangstor dieses Stadtteils, finden Sie zwei Blöcke südlich Ecke Grant und Bush Street. Die Republik Taiwan schenkte es der Stadt 1970 und die Darstellungen sprechen in der asiatischen Symbolik eine deutliche Sprache: der Drache verheißt Fruchtbarkeit und Macht, die Fische stehen für Wohlstand und die Hunde halten die bösen Geister fern. Mit dem hohen Sonnenstand der Mittagszeit fällt genug Licht in diesen Bereich, um ihn schattenlos auszuleuchten. Grant Street war zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Hauptstraße San Franciscos. Heute hat sich hier das touristische Chinatown etabliert. Ein authentischeres Bild der Lebensgewohnheiten finden Sie an den westlich gelegenen Seitenstraßen und vor allem an der Stockton Street. An vielen Stellen können Sie hier wie dort die markante Spitze der alles überragenden Transamerica Pyramide zu interessanten Kombinationen nutzen. Für die farbstichfreie Wiedergabe der diversen exotischen Auslagen in den Geschäften und die bunten Lichter am Abend eignet sich Kunstlichtfilm sehr gut.
Weil es sich hier so schön geht, setzen Sie Ihren Spaziergang noch zwei Blöcke weiter nach Westen fort. An der Ecke Washington und Mason Street erreichen Sie dann den Cable Car Barn. Hier liegt das pochende Herz der Cable Car Linien in dem die dicken Stahlseile in Bewegung gesetzt werden. Aus dem ersten Stock des Gebäudes können Sie den Elektromotoren dabei zusehen. - Den durch die Leuchtstoffröhren verursachten Grünstich der Aufnahmen verhindert ein Fluoreszenzfilter zuverlässig. Hier gibt es auch ein kleines Museum, daß die Geschichte dieses Nahverkehrsmittels illustriert. Im Untergeschoß können Sie verfolgen, wie die Antriebsseile über Umlenkrollen hinaus unter die Straße geleitet werden.

Wenn die Füße schon ein wenig müde sind, besteigen Sie hier wieder einen Wagen der Powell und Hyde Linie, der Sie in kürzester Zeit durch die engen Straßen unterhalb des Nob Hill und hinauf zum Russian Hill bringt. Aussteigepunkt ist hier die Kreuzung mit der Lombard Street. - Der Name ist geläufig, was? Die Lombard Street durchquert den gesamten nördlichen Teil San Franciscos, ohne dabei viel Aufsehen zu erregen. Nur auf dem Stück den Russian Hill hinunter, zwischen Hyde und Leavenworth Street, spielt sie sich als „Crookedest Street [krummste Straße] of the World“ in den Mittelpunkt des Interesses: Auf einer Länge von nur 125 m macht sie hier die weltbekannten acht Kehren, die jeder einmal hinunter fahren möchte. Lombard Street paßt nicht ganz in diesen Tagesablauf, da der kurvenreiche Teil nach Osten schaut und das beste Licht somit am Morgen erhält. Den besten Blick haben Sie von der Ostseite der Leavenworth Street, also von unten nach oben. Eine leichte Telebrennweite verdichtet die Kurven von hier aus sehr schön und ein oben an der Hyde Street haltender Cable Car komplettiert die Aufnahme. Die Hortensienbeete an den Flanken der Serpentinen wurden übrigens von einem freundlichen Anwohner angelegt. Von Mai bis Juni stehen die Blumen in voller Blüte und bereichern jedes Bild mit ihrer Farbenpracht. Aber Lombard Street ist nicht die einzige wirklich steile Straße in San Francisco: Nur einen Block südlich messen wir an der Filbert Street (ebenfalls zwischen Hyde und Leavenworth Street) ganze 31,5° und die Vermont Street macht auf dem Abschnitt zwischen 20. und 22. Straße im Südosten der Stadt auf nur 82 m beachtliche sechs Kehren.
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Den vollständigen Text mit vielen wertvollen Fototipps zu San Franciscos´ schönsten Motiven und weiteren Reisehinweisen finden Sie im PhotoFührer USA Zentralkalifornien.




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