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Phototipps

Licht im Schatten: Kontraststeuerung mit dem Blitzgerät

Mit Hilf eines Blitzgerätes ist eine weitere Art der Kontraststeuerung möglich, wenn es gelingt die Schattenpartien im Vordergrund gezielt aufzuhellen. Sind in einem solchen Fall Kamera- und Blitzblende identisch, so wäre allein das Blitzlicht für den Vordergrund bestimmend. Die Schatten würden vollständig aufgehellt und das Bild damit erschlagen. Erst die genaue Abstimmung von Blitz- und Dauerlicht macht eine subtile Bildgestaltung möglich. Um eine natürlich wirkende Aufhellung bei Tageslicht zu erreichen ist eine Reduzierung der Blitzleistung um 1,5 - 1,7 Belichtungsstufen nötig. In so einem Fall wird die Belichtung zunächst am natürlich beleuchteten Hintergrund orientiert. Den richtig dosierten Blitz entlockt man dem Gerät dann in dem man die Filmempfindlichkeit für die Aufnahme um 1,7 Stufen erhöht, also von 50 auf 160 ASA oder von 100 auf 320 ASA stellt. Da die meisten Blitzgeräte nur ganze Blendenwerte anzeigen ist diese Methode in 1/3 Schritten präziser und flexibler. Einzig und allein die zulässige Synchronzeit muß dabei beachtet werden (1/90,1/125,1/250 sec). Einige Testbilder sind unabdingbar, da der jeweilige Film und die Kamera-Blitz Kombination geringfügig andere Korrekturwerte verlangen können. Und letztlich entscheidet der persönliche Geschmack wieviel Licht genug Licht ist! Verschiedene Hersteller bieten zu diesem Zweck auch Automatikfunktionen wie das Matrixgesteuerte Aufhellblitzen an. Allerdings produzieren auch diese in den meisten Fällen noch überdurchschnittlich helle und damit unnatürliche Bilder, die ebenfalls eines manuellen Overrides um 1,5 Belichtungsstufen bedürfen. Der Vorteil dieser Systeme ist die Möglichkeit den Korrekturwert direkt in das Blitzgerät eingeben zu können und sich bei Automatikbetrieb nicht um die jeweilige Synchronzeit sorgen zu müssen. Wenn der maximale Leuchtwinkel, also das vom Blitzgerät abgedeckte Gesichtsfeld, geringfügig kleiner ist als die verwendete Brennweite, was im extremen Weitwinkelbereich durchaus vorkommen kann, ist dies beim künstlichen Aufhellen von Außenaufnahmen kein unbedingt limitierender Faktor, da ein geringer Lichtabfall zu den Rändern bei einer kurzen Brennweite für einen eher natürlichen Effekt sorgt. Da Blitzgerät von Hause aus eine leicht bläuliche Tageslichtcharakteristik aufweisen empfiehlt es sich ihr Licht mit einem 81 A Gelatinefilter leicht „anzuwärmen“, um die Illusion perfekt zu machen.

Eine etwas unorthodoxere Methode Licht in die Schatten zu bringen ist das Malen mit der Taschenlampe. Findet sich zum Beispiel nach Sonnenuntergang noch eine spannende Färbung am Himmel die perfekt zu einem knorriger Baum im Vordergrund passen würde, so bestreicht man ihn einfach einige Sekunden lang mit der hellen MacLight. Dazu ist eine recht lange Belichtungszeit erforderlich, die sich von allein ergibt wenn man den schon recht dunklen Himmel anmißt und bis zum Ende des Meßbereichs abblendet (eine zusätzliche Belichtungsstufe für Herrn Schwarzschild nicht vergessen!). Meine F4 gab mir in solchen Fällen per Zeitautomatik auch noch eine korrekte Belichtung, als das System schon keine Zeit mehr anzeigt. Kurz vor und nach Sonnenuntergang ist das Taschenlampenlicht rund doppelt so hell wie das Umgebungslicht. Verweilen Sie mit dem Lichtkegel nicht die ganze Zeit auf dem Hauptmotiv, sondern bestreichen Sie es mit kreisenden Bewegungen. Der Effekt kann mit Farbfiltern noch zusätzlich variiert werden, Kunstlichtfilm gibt das warme Licht der Taschenlampe hellweiß wieder.

Lesen sie mehr zu den visuellen Grundlagen von Kontrastwahrnehmung und Kontrastreproduktion in PhotoWissen“ Band 3 Kontrast



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