1000 Worte
Phototipps

...Mond und Sterne: Wie man die Objekte am Himmel photographiert

Das Colorado Plateau bietet mit seiner klaren Luft und der Abwesenheit störender Lichtquellen beste Voraussetzungen für die Himmelsphotographie. Je nach Motiv und Vorliebe gibt es folgende Gestaltungsmöglichkeiten: Um die Sterne punktförmig in ihrer unrsprünglichen Form abzubilden sind Belichtungszeiten zwischen 5 und 30 sec bei offener Blende und Filmmaterial mit mindestens 1000 ASA Empfindlichkeit nötig. Da sich ein Vordergrundelement bei Nacht unter diesen Vorgaben nur schwer einfügen läßt, werden solche Aufnahmen bevorzugt mit einem zweiten Bild „gesandwiched“. Nehmen Sie dazu zuerst den gewünschten Vordergrund auf, wobei der Himmel keine Details mehr zeigen sollte, was durch Überbelichten um gut 2 Stufen erreicht wird. Das Himmelsbild wird dann später aufgenommen. Das Sandwich entsteht indem Sie beide Dias passgenau in einen Rahmen legen und zusammen kopieren. Bei längeren Belichtungszeiten als 30 sec beginnen die Sterne durch die Erddrehung „Spuren“ zu hinterlassen. Diesen Effekt könne Sie nutzen, um Startrails aufzunehmen. Dazu wählen Sie ein gut mit Sternen durchsetztes Stück Himmel und machen auf niedrigempfindlichem Material eine Langzeitbelichtung von 2-6 Stunden bei offener Blende. So lange es völlig dunkel ist brauchen Sie sich nicht um Überbelichtung zu sorgen. Noch spannender wird ein solches Bild mit einem interessanten Vordergrund, z.B. der Silhouette einer Felsformation vor dem noch schwach Rot erleuchteten Abendhimmel, den Sie mit einer Doppelbelichtung einfügen. Orientieren Sie die Belichtung der ersten Aufnahme an der hellsten Stelle gleich über dem Horizont und belichten Sie um 1 Stufe unter. Sobald die Sterne sichbar sind führen Sie dann die zweite Aufnahme als Langzeitbelichtung aus.

Möchten Sie den (Voll)Mond in einer Aufnahme erscheinen lassen so muß er aufgrund des großen Belichtungsunterschiedes entweder schon am noch nicht ganz dunklen Himmel stehen oder per Doppelbelichtung eingefügt werden. Da der Mond jeden Tag 50 Minuten später aufgeht und zum Vollmond pünktlich mit dem Sonnenuntergang am Himmel erscheint, kommen für die erste Variante nur die 3 Tage vor Vollmond in Frage an denen er sich noch vor Sonnenuntergang zeigt. – Nur an diesen Daten ist noch genügend Resthelligkeit vorhanden, um ihn belichtungstechnisch mit dem Vordergrund in eine Linie zu bringen. Ein Polarisationsfilter dunkelt den Himmel dabei zusätzlich ab und läßt die helle Scheibe deutlicher hervortreten. Eine Doppelbelichtung hat dagegen den Vorteil, daß Sie die Brennweite wechseln und damit die für den Mond zu geringe Vergrößerung des Weitwinkelobjektivs kompensieren können. Dabei gelten 1/60 sec bei f/8 und 100 ASA als Anhaltspunkt für unseren ähnlich einer Landschaft im Mittagslicht beleuchteten Trabanten. Zur Sicherheit sollte eine Spotmessung vorgenommen werden. Eine Belichtungszeit von weniger als 1/15 sec führt allerdings in jedem Fall zu Unschärfen, da sich der Mond in 2 Minuten um seinen eigenen Durchmesser fortbewegt. Ganz nach Gusto können Sie nun in der ersten Aufnahme der Doppelbelichtung zunächst den Vordergrund aufnehmen, dann die Optik wechseln, 200 mm geben den Mond in glaubhafter Größe wieder, und ihn dann einfügen. Wählen Sie den Ausschnitt am Besten so, daß La Luna in einem wolkenlosen Himmelsteil erscheint und die Beleuchtung mit der Lichtrichtung im Vordergrund übereinstimmt. Eine Gitternetz-Einstellscheibe ist bei solchen Positionierungsarbeiten sehr hilfreich. Eine weitere Besonderheit sind Aufnahmen einer nur vom Vollmondlicht beleuchteten Landschaft. Da der Film entgegen unserem Auge alles einfallende Licht sammelt ähneln die Resultate beinahe einem Bild bei Tagelicht. Als Anhaltspunkte für die Belichtung mögen folgende Werte gelten: 50 ASA - f/2.8 - 4 Minuten. Eine Belichtungsreihe mit der halben bzw. doppelten Zeit ist aber in jedem Fall empfehlenswert.

Daß der Mond für uns nahe dem Horizont größer wirkt als im nächtlichen Zenit ist übrigens nur eine optische Täuschung. – Der Mond nimmt an jedem Punkt seiner nächtlichen Wanderung durch den Himmel nicht mehr und nicht weniger als 0,52° ein. Für unsere komplizierte und manchmal nicht ganz einwandfrei funktionierende optische Wahrnehmung spielen aber neben der Abbildung auf der Retina des Auges auch der Blickwinkel und die angenommene Entfernung eine Rolle. Aufgrund der vorhandenen Bezugspunkte bei Mondauf- und -untergang (Häuser, Bäume, etc) und der geraden Blickrichtung geht unser Gehirn nun schlicht davon aus, daß ein Objekt nahe dem Horizont nicht so weit entfernt sein kann wie eines mitten am Himmel über uns, dem alle Bezugsmöglichkeiten fehlen. So greift es seiner Logik entsprechend korrigierend ein und paßt die Größen entsprechend an. Daß es sich um einen Fehler handeln muß wird schon daran deutlich, daß die Entfernung zum niedrig stehenden Mond in Wirklichkeit ein wenig größer ist als zum Mond im Zenit (die Tangente zur Erde ist länger als die Entfernung zur Erdoberfläche entlang der Linie zwischen Erd- und Mondmittelpunkt). Die letzten Zweifel räumen Aufnahmen unseres Trabanten in den verschiedenen Positionen aus: sie zeigen keinen meßbaren Größenunterschied!

Lesen sie mehr zu den Grundlagen der Photographie von Mond und Sternen in PhotoWissen“ Band 5 Natürliches Licht



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