Photogalerie „Die Ästhetik im Chaos“

Pfeil Zurück Huegel und Wolken, Monument Valley

Hügel und Wolken, Monument Valley/Arizona     2 / 13
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Zu den großen Fragen, die die Menschen schon immer bewegt haben, zählt jene nach den Grundlagen unseres Wissens. Zu Kants Zeiten wurde sie von zwei Denkrichtungen beantwortet, dem Rationalismus und dem Empirismus. Der Rationalismus (lat. Ratio: Vernunft) bezeichnet jene erkenntnistheoretische Tradition, die das rationale Denken beim Wissenserwerb für vorrangig hält. Ihre prominentesten Vertreter waren Descartes, Spinoza und Leibniz. Der Empirismus (lat. Empiricus: der Erfahrung folgend) ist die entgegengesetzte Grundposition, der zufolge alle wahren Erkenntnisse aus der Sinneserfahrung, der Beobachtung oder dem Experiment stammen. Zu ihren Exponenten zählen Thomas Hobbes, John Locke und David Hume. Kants philosophische Leistung, die den intellektuellen Diskurs bis heute beeinflußt, ist die Versöhnung beider Traditionen.
Kant sieht Erkenntnis als Produkt aus Verstand und Erfahrung und sie kommt zustande, indem der Verstand die Anschauungen auf Begriffe bringt und damit Gegenstände denkt. Da die Anschauungen aber nur in den subjektiven Formen von Raum und Zeit möglich sind, tragen sie stets den Stempel des Ich, was dazu führt, daß uns der Zugang zur tatsächlichen Beschaffenheit der Dinge grundsätzlich nicht möglich ist. Ihre wahre Natur bleibt uns also für immer verborgen.
Die fundamentale Idee, die Kants Gedankengebäude des Kritizismus leitet und in alle drei Kritiken bestimmt (der Kritik der reinen Vernunft, der Kritik der praktischen Vernunft und der Kritik der Urteilskraft), ist die menschliche Autonomie. Er argumentiert, daß das menschliche Verstehen und Begreifen die Quelle der generellen Naturgesetze und all unserer Erfahrungen sind und die menschliche Vernunft sich selbst das moralische Gesetz gibt, welches unsere Basis für den Glauben an Gott, die Freiheit und die Unsterblichkeit ist. So halten wissenschaftliches Wissen, Moralität und Religiosität wechselseitig zusammen und dürfen als sicher angesehen werden, denn sie alle ruhen auf demselben Grundstein der menschlichen Selbständigkeit.
Vor allem Kants Analyse des Ästhetischen, die er im analytischen Teil der Kritik der Urteilskraft vorstellt, erregt bis heute großes Interesse und ist vielfach auch für das Verstehen moderner Kunst fruchtbar gemacht worden. Die Bestimmung des Ästhetischen ist Kant zu Folge ein subjektiver Erkenntnisvorgang, in dem die Urteilskraft einem Gegenstand das Prädikat „schön“ oder „nicht schön“ zuspricht. Kriterien für solche Geschmacksurteile sind, daß sie unabhängig von einem wie auch immer gearteten Interesse des Urteilenden gefällt werden, daß sie subjektiv sind, also nicht einem Begriff untergeordnet werden, daß sie allgemein gültig sind und daß sie aus einer Notwendigkeit heraus erfolgen. Wie in der Ethik sucht Kant also auch hier nach den formalen Kriterien eines Urteils und klammert die inhaltliche Bestimmung des Schönen aus. Vor allem aber unterscheidet er zwischen dem Schönen und dem Erhabenen und spricht beiden Kategorien eigene wichtige Eigenschaften zu.

Die Texte und Bilder dieser Galerie sind in Buchform in der Reihe Photographie und Metaphysik unter dem Titel Immanuel Kant und die Ästhetik im Chaos erschienen.
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