Photogalerie „Die Ästhetik im Chaos“

Pfeil Zurück Pfeil Zurück Birke und Mond, Neuengland

Birken, Glenn House/New Hampshire     8 / 13
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Nach dieser Einsicht wandte sich Lorenz vom Wettergeschehen ab und suchte nach einem einfacheren System, das ebenfalls eine empfindliche Abhängigkeit von den Ausgangsbedingungen aufwies. Sein computerbasiertes Wettersystem bestand aus 12 Gleichungen. Jetzt wollte er eins, das dasselbe komplexe Verhalten mit weniger Attributen zeigte. Zu diesem Zweck nahm er Gleichungen für die Konvektion (das Aufsteigen von heißem Gas oder heißer Flüssigkeit) und zerlegte sie so weit er konnte. Danach hatten sie zwar nichts mehr mit Konvektion zu tun, aber das System, das die drei verbliebenen Gleichungen darstellte, zeigte noch immer jene gewünschte Abhängigkeit von den primären Werten. Zudem legten sie ein vollständig zufälliges Verhalten nahe.
Lorenz-Attraktor Als Lorenz die Rechenergebnisse aber graphisch darstellte, erhielt er ein Ergebnis, das den zwei damals bekannten Zuständen von Ordnung völlig widersprach. Der Erste beschrieb ein regelmäßiges Verhalten, in dem sich die Variablen niemals änderten. Der Zweite bezeichnete ein periodisches System, das sich in einer Schleife bewegte und sich so unendlich selbst wiederholte. Lorenz´ Gleichungen zeigten auf jeden Fall Ordnung, denn die Werte lagen alle auf einer einzelnen Kurve, die eine doppelte Spirale beschrieb. Allerdings fielen sie niemals auf einen einzelnen Punkt. Da sich die Spiralbahnen aber auch niemals kreuzten, wiederholte sich das System nicht, zeigte also auch kein periodisches Verhalten.
Nicht Ordnung, aber auch nicht Unordnung also. Die Doppelspirale, die als Lorenz-Attraktor (siehe Abbildung) bekannt wurde und der Augenmaske eines Uhus ähnelt, signalisiert uns eine ganz neue, bis dahin unbekannte Form der Ordnung. Mit ihr hatte Edward Lorenz 1963 Ordnung, Struktur und System gefunden, wo zuvor nur chaotisches Durcheinander zu vermuten war. Allerdings sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis seine revolutionären Erkenntnisse im Wissenschaftsbetrieb auf fruchtbaren Boden fielen.

Die Texte und Bilder dieser Galerie sind in Buchform in der Reihe Photographie und Metaphysik unter dem Titel Immanuel Kant und die Ästhetik im Chaos erschienen.
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