Photogalerie „Die Essenz der Dinge“

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Lichter, Las Vegas/Nevada     14 / 15
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Wir sind also ein Teil des Ganzen, untrennbar mit allem verbunden. Aber dieser beruhigende, Sicherheit gebende Gesamtzusammenhang entzieht sich der direkten Wahrnehmung, denn unsere sechs Sinne sind nicht dafür gemacht, ihn direkt zu erfassen. Ganz besonders ist es unserem visuellen System nicht möglich die verbindenden Strukturen wahrzunehmen, denn die oben angeführten Partikelphänomene sind viel kleiner als die Wellenlängen des sichtbaren Lichts. Ein Elektron z.B. mißt 10-19m, das Fenster des sichtbaren Spektrums liegt dagegen zwischen 10-6 und 10-7 m.
Die grundlegenden Zusammenhänge können nicht rational begriffen werden, denn der Geist als bloßer Teil des Ganzen kann sich nicht selbst begreifen. Nur das Gefühl, nicht aber die direkte Wahrnehmung oder das rationale Verständnis bringen uns weiter. Zugang gewährt einzig die sinnliche Erfahrung. Die Photographie ist eine Möglichkeit, so eine Erfahrung der Ganzheit zu schaffen. Vielleicht die Beste, denn die allumfassende Verbundenheit, das Leben selbst, offenbart sich oft nur in einem einzigen Augenblick und nur die Photographie ist schnell und direkt genug, sie zu konservieren. Und Edward Weston sagt uns, was wir tun müssen, um Bilder zu schaffen, die das leisten:

«… Jeder Ausdruck wird durch die Zugabe der Persönlichkeit mehr oder weniger stark geschwächt. ...
Ich will der Natur (...) nicht meine Persönlichkeit aufdrängen, sondern ihr ohne Beeinträchtigung oder Fälschung gleich kommen, so daß mein Bild keine Interpretation ist – meine Vorstellung davon, wie die Natur zu sein hat – sondern eine Offenbarung – ein Blick durch die Nebelwand, die die bedeutungslosen menschlichen Zwänge über das Leben legen, auf eine absolute, unpersönliche Entdeckung.
Der so genannte Selbstausdruck ist normalerweise voreingenommene Meinung, gewollte Verzerrung, Untertreibung. Wenn wir von statistischen Aufzeichnungen absehen, soll jede Abweichung von der Natur zu klarerem Verstehen führen, eine beabsichtigte Hervorhebung der essentiellen Qualitäten der Dinge sein.
Durch die Photographie möchte ich die Bedeutung der Fakten präsentieren, so daß sie von gesehenen Dingen zu gewußten Dingen umgewandelt werden. Wird das Aufzeichnungsmittel – die Kamera – weise gehandhabt, so zeigt sich dies Wissen, diese Offenbarung, in einer für den Betrachter verständlichen Weise.»
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Die Texte und Bilder dieser Galerie sind in Buchform in der Reihe Photographie und Metaphysik unter dem Titel Edward Weston und die Essenz der Dinge erschienen.


(11) The Daybooks of Edward Weston, Volume 2 California, Aperture Books 1973, S. 241
«... Any expression is weakened in degree, by injection of personality: – the warping of knowledge by petty inhibitions, life‘ s exigencies. I do not like to impose my personality upon nature, (any of life´s manifestations) but without prejudice or falsification to become identified with nature, to know things in their very essence, so that what I record is not an interpretation – my idea of what nature should be – but a revelation – a piercing of the smoke screen artificially cast over life by irrelevant, humanly limited exigencies, into an absolute, impersonal recognition. Self expression, so called, is usually biased opinion, willful distortion, understatement. Discounting statistical recording, any divergence from nature must be toward a clearer understanding, an intentional emphasis of the essential qualities in things. Through photography I would present the significance of facts, so they are transformed from things seen to things known. Wisdom controlling the means – the camera – makes manifest this knowledge, this revelation, in form communicable to the spectator.»

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